Öffentliche Verwaltung will Vorteile der E-Rechnung nutzen

Pressemitteilung | 23.05.2016

Mittelstand 4.0 Agentur Handel bei der AWV Berlin

Mittelstand 4.0 Agentur Handel bei der AWV-Veranstaltung „Erfahrungen an der Schnittstelle Wirtschaft–Verwaltung aus Sicht eines eBusiness-Lotsen“ am 19.5.2016 in Berlin.

Im Rahmen der zweitägigen Fachveranstaltung „Der Weg zur E-Rechnung in der Verwaltungspraxis“ der AWV diskutierten Vertreter der Verwaltung sowie der IT-Wirtschaft Lösungsansätze zur Nutzung der Vorteile der elektronischen Rechnungsabwicklung. Im Rahmen des Workshops am zweiten Tag der Veranstaltung, erläuterte Dr. Georg Wittmann von der Mittelstand 4.0-Agentur Handel, welche Erfahrungen an der Schnittstelle Wirtschaft–Verwaltung in den BMWi-Förderprojekten Mittelstand 4.0-Agentur Handel und eBusiness-Lotse Ostbayern bisher gemacht wurden.

Dabei berichtete er, dass Unternehmen die Verwaltung im Kontext „E-Rechnung“ häufig nicht als Rechnungsempfänger oder Rechnungsteller sehen, sondern primär mit dem „Fiskus“ gleichsetzen. Themen und Schlagwörter wie GoBD, Archivierung, Verfahrensdokumentationen, Betriebsprüfungen, Aufzeichnungspflichten oder Registrierkassen werden hier häufig eher thematisiert, als dass die Verwaltung als Kreditor oder Debitor gesehen wird.

Zudem stellt die Mittelstand 4.0-Agentur Handel immer wieder fest, dass die Unternehmen, welche die öffentliche Verwaltung als Kreditor oder Debitor haben, keinen großen Unterschied zwischen der Verwaltung und anderen Rechnungsempfängern oder Rechnungssteller sehen. In diesem Kontext wird auch immer wieder der E-Rechnungs-Standard „ZUGFeRD“ diskutiert, der für viele Unternehmen aber aktuell noch nicht von großer praktischer Bedeutung ist. Diese hadern momentan noch mit den unterschiedlichen Rechnungsformaten, insbesondere mit konkurrierenden Branchenstandards. Was häufig einen deutlichen Mehraufwand für insbesondere die Unternehmen bedeutet, die sich bei der Rechnungsstellung bzw. beim Rechnungsempfang nicht auf einen Standard mit ihren Geschäftspartnern festlegen können.

Wie Dr. Wittmann berichtete, sind zudem auch die Fragestellungen ähnlich heterogen, wie es die Unternehmen selbst sind. Sowohl bzgl. der Unternehmensgröße, der Branche als auch des Know-hows und der eingesetzten Ressourcen unterscheiden sich diese deutlich. Hauptsächlich werden an die Mittelstand 4.0-Agentur Handel bzw. wurden an das Förderprojekt eBusiness-Lotse Ostbayern, aber rechtliche Fragestellungen zum Rechnungsempfang und die Archivierung herangetragen, wie z. B.

  • „Muss ich E-Mail mit archivieren?“
  • „Was passiert, wenn ich E-Rechnungen nur papierhaft archiviere – ist Vorsteuerabzug in Gefahr?“
  • „Wie kann ich Archivierungsanforderungen technisch und organisatorisch erfüllen?“

Dies führt nach Ansicht der Experten häufig dazu, dass die Unternehmen sich nicht regelmäßig mit der Prozessgestaltung und -optimierung beschäftigen, welche im Kontext der E-Rechnung enorme Vorteile verspricht, sondern sich zurückhalten, eher abwartend agieren und sich häufig so sehr mit den rechtlichen Themen beschäftigen, dass die Projekte erst mit einem riesen Ballast an Vorgaben starten können.

Die Mittelstand 4.0-Agentur Handel wird versuchen, das im Förderprojekt eBusiness-Lotse Ostbayern bisher erarbeitete Wissen sowie die neuen Erkenntnisse weiter für die Aufklärung der Unternehmen und auch der öffentlichen Verwaltung zu nutzen und allen Interessierten die Vorteile der elektronischen Rechnungsabwicklung näher zu bringen. Auch die Teilnehmer der AWV-Veranstaltung waren sich einig, dass man ebenfalls in der Verwaltung die Vorteile der E-Rechnung zunehmend nutzen sollte, um sowohl Prozessvorteile zu realisieren als auch kontinuierlich den Bürger- und Unternehmensservice zu steigern. Hierbei zeigen bereits internationale Entwicklungen, wie die EU-Richtlinie 2014/55/EU über die elektronische Rechnungsstellung bei öffentlichen Aufträgen, in genau diese Richtung.

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Sabine Pur

ibi research
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